Etappe 9

eingetragen in: In 10 Tagen nach Genf | 1

Morges – Nyon (35.5km)

Ich hatte ja gedacht, dass Etappe 6 die längste sein würde… nun ja, erstens kommt es anders und zweitens als man denkt!

Nach der gestrigen Etappe war ich mir nicht sicher wie weit ich heute kommen würde, vielleicht ja nur bis St.-Prex. Ich hatte mir schon gestern eine Unterkunft in Nyon gebucht mit dem Gedanken, allerallerspätestens in Gland mit ÖV nach Nyon zu fahren. Aber alles der Reihe nach:

Etappe 9

Als ich heute Morgen aufgestanden bin, waren die Schienbeinschmerzen zwar etwas besser aber ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen wie das hätte weitergehen sollen… ich hatte mich bereits mit dem Gedanken vertraut gemacht, hier abzubrechen. Nach dem erfolgreichen Knie-Taping fragte ich mich, ob es so was wohl auch für meine Schienbeinprobleme geben würde… und YouTube sei dank, fand ich da mehrere brauchbare Tutorials. 

Mit getaptem rechten Schienbein habe ich mich dann so gegen halb Elf Uhr in Morges wieder auf die Socken gemacht. Schön sachte – und es ging tatsächlich! Das Wetter war herrlich heute Morgen, über dem See gab es leichten Dunst, so dass man die französiche Seite des Sees anfänglich nicht sehen konnte. Der Léman war zum Meer geworden inklusive sichtbarer Erdkrümmung… fantastisch!

Das Genfermeer
Die Festung von Morges
 

Gemütlich machte ich mich auf Richtung St.-Prex. Der Weg führt ab Morges bis St.-Prex wunderschön dem See entlang, teils auf geteerten Spazierwegen, Waldwegen und ein kurzes Stück sogar über den Sandstrand des Léman.

Sandstrand

Ich erwartete jeden Moment die Rückkehr der Schienbeinschmerzen, aber nichts war zu spüen. Einfach nur angenehmes Gehen wie schon lange nicht mehr. Ich erreichte so St.-Prex, ein hübsches kleines Städchen. Der Ort hat einen wunderschönen alten Kern, direkt am See. Man kann aber schon Eingangs St.-Prex fesstellen, dass hier quasi die Goldküste am Genfersee beginnt. Die Häuser werden grösser und luxuriöser mit allem Schnickschnack und den entsprechenden Edelkarrossen davor stehend, vornehmlich nicht günstiger deutscher Bauart. Alles wirkte hier wie aus dem Ei gepellt, sauber und ordentlich, was man leider von der öffentlichen Toilette am See nicht behaupten konnte. Offensichtlich war gerade hier das Geld ausgegangen…

Strasse in St.-Prex
Stadteinfahrt St.-Prex
Ausserhalb des alten Kerns von St.-Prex liegt der grösste Teil dieser Gemeinde. Eine rchtige Schlafgemeinde – auch hier alles sauber und gradlinig, abe halt irgendwie ohne Leben…

St.-Prex Schlafgemeinde

Ab und zu vielleicht ein paar spielende Kinder aber sons nix – gar nix – nur eine Prunkbaute an der anderen, wobei unsereins wahrscheinlich nicht einmal den Briefkasten eines solchen Hauses hätte bezahlen können…

Nach einem längeren Stück entlang einer geteerten Strasse kam zwischen Buchillon und Alaeman ein wunderbarer Abschnitt entlang des Flusses Aubonne. Oft schattig und direkt am Fluss, aber angenehm zu Gehen auf dem weichen Waldboden. Mein Scheinbein machte immer noch keinen Mucks, was die Sache sehr angenehm machte.

Aubonne bei Allaman

Mein Ziel was ich heute im Minimum erreichen wollte, war Rolle. Der Weg dorthin führte unter anderem auch durch das hübsche Örtchen Perroy, Mitten im Anbaugebiet des Mont-sur-Rolle Weines. Schlussendlich bin ich so gegen 4 Uhr in Rolle angekommen, habe mir ein Eis und ein Bier gekauft und bin damit auf die Wiese direkt am See gesessen. Gut erholt habe ich mich nach etwa einer Stunde weiter auf den Weg gemacht und weil sich mein Gehapparat immer noch recht gut anfühlte, habe mir das nächste Ziel gesetzt – Gland.

Rolle
Zwischen Rolle und Gland gibt es nur zwei kleine Ortschaften, Bursinel und Dully. Auch für diese Orte gilt das oben bereits erwähnte: schwerreich aber eben halt wie ausgestorben…

So habe ich schlussendlich Gland erreicht, hier gibt es nichts besonderes zu erwähnen, ein Dorf halt wie viele. Die meisten kennen es wahrscheinlich von der nahen Autobahn nach Genf und der dazugehörigen Raststätte.

Weil der Weg ausserhalb Gland in einem relativ grossen Bogen nach Nyon führte, habe ich beschlossen hier eine Abkürzung entlang der Bahnlinie zu nehmen. Es war nicht wirklich eine Spitzenidee, weil die Züge doch recht nahe vorbei gebraust sind. Zum Glück bin ich aber ziemlich rasch wieder auf den Wanderweg gestossen – der aber genau den selbe grossen Bogen gemacht hätte. Was tun? Dem Bahntrassé auf dem kleinen Viadukt über den Fluss entlang gehen? Viel zu steil und auch viel zu gefährlich – oder eine Brücke über den Fluss suchen…nur gab es keine… Der Fluss schien nicht allzu tief und so habe ich mich entschlossen, kurzerhand durch den Fluss zu waten. Die Verkäuferin der neuen Wanderschuhe hatte versprochen, dass sie wasserdicht sind bis etwa 10cm Höhe… Ich habe mich also mit Hilfe meiner Wanderstöcke ca. 10m von Stein zu Stein auf die andere Seite des Flusses gekämpft – und tatsächlich, die Füsse blieben trocken und ich gelangte dank der Abkürzung  relativ schnell nach Pragnins.

Pragnins

Es war jetzt schon mehr als halb Sieben, aber dank der Sommerzeit war es immer noch angenehm warm und hell. Ich dann schliessich gegen Acht in meiner Unterkunft in Nyon angekommen, ziemlich müde, aber nur mit mässigen Schmerzen am Schienbein. Ich hatte heute also tatsächlich 35.5 km geschafft. Unglaublich und es ging wirklich sehr glatt.

So bleibt mir auch heute nur noch die Buchhaltung:

30.5km + 25.5km + 25km + 17km + 27km + 35km + 18 km + 35.5km = 223.5 km

Bis Morgen…

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Eine Antwort

  1. Verena und Alois
    | Antworten

    Bravo! Allen Respekt für deine Leistung. Wir hoffen, dass du die letzte Etappe auch so gut schaffen wirst. Viel Glück und ein schöner Tag.

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